
Die Stiftung Digitale Chancen und Telefónica Deutschland haben im vergangenen Jahr die Ergebnisse ihrer aktuellen Studie zur Internetnutzung im Alter vorgestellt. Zentrale Erkenntnis der Studie: Senioren erleben das Internet als Gewinn für Mobilität und Kontaktpflege und halten sich gerne mit Online-Spielen geistig fit. Allerdings brauchen sie spezifische Begleitung, um von den Vorteilen der Digitalisierung zu profitieren.
Das Internet spart viel Lauferei und hilft, länger selbstständig zu bleiben
Eine zentrale Erkenntnis der Studie, bei der rund 300 Seniorinnen und Senioren befragt wurden, liefert die Gegenüberstellung der erfragten Gratifikationen und der Nutzung nach den acht Wochen. Eine Übereinstimmung zwischen erkannten Gratifikationen und der Nutzung kann nur in einigen Anwendungsbereichen festgestellt werden. Z.B. stimmen 58% der Befragten der Aussage zu „Durch das mobile Internet kann ich mich in neuen Umgebungen schneller zurechtfinden“, und 53% haben auch die Navigationsfunktion des Tablet-PCs genutzt. Aber obwohl 83% angeben „Das Internet erspart viel Lauferei“ und 69% „Das Internet ermöglicht es mir, im Alter länger selbstständig zu bleiben“, haben nur 24 % in den acht Wochen mit dem geliehenen Tablet oder einem anderen Gerät die Möglichkeit des Online-Einkaufs genutzt. Dieser Befund ist deswegen besonders bemerkenswert, weil häufig betont wird, wie sehr das Internet älteren Menschen dabei helfen kann, ihren Alltag länger selbstständig zu bewältigen. Nun zeigen die Studienergebnisse, dass gerade beim Online-Einkauf, der das konkret ermöglicht, offensichtlich große Vorbehalte bestehen. Dafür spricht auch, dass Sicherheitsbedenken und die Angst vor einem finanziellen Schaden von mehr als der Hälfte der Befragten als eine Barriere für die Nutzung des Internets genannt werden.
„Eine alternde Gesellschaft kann es sich nicht leisten, dass ein Großteil der über 70-Jährigen nicht im Internet ist“ erklärt Jutta Croll, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Digitale Chance. „Die Studie zeigt auf, was man noch besser machen kann, um dem entgegenzuwirken.“
Für Professor Herbert Kubicek, wissenschaftlichen Direktor der Stiftung Digitale Chancen und Leiter der Studie, besteht die wichtigste Konsequenz in einer Erweiterung des Verständnisses von Digitaler Kompetenz: „Digitale Kompetenz erfordert nicht nur technische Fähigkeiten der Nutzung von Geräten und Anwendungen, sondern auch das Selbstvertrauen, sich bei Problemen selbst helfen zu können oder die Gewissheit zu haben, wo Hilfe geholt werden kann. Man muss gerade älteren Menschen daher auch Sicherheitsseile und Rettungsringe vermitteln, die es durchaus gibt.“
Pressemitteilung Stiftung Digitale Chancen Juli 2017